Welchen Schneeschuh kaufen für Touren im Münchner Umland?

Meinen ersten Schneeschuh kaufte ich nach der Devise: "Ich will das Beste" - und so ging ich mit einem MSR Lightning Ascent für rund 300 € vom Globetrotter nach Hause.

Schnell merkte ich, dass der MSR Lightning Ascent zwar einen super Grip hat, aber wegen der fummeligen Bindung wollte ich den Schneeschuh gar nicht mehr mitnehmen. Bei Kälte ewig an den 4 Gummibändern herumfummeln? Nicht mein Ding!

Der MSR ging zu Ebay und die Suche nach dem optimalen Schneeschuh begann. Da ich viele Jahre Bergtouren geführt habe, habe ich verschiedenste Schneeschuh-Marken und -Modelle gesehen. Ich beschränke mich daher in diesem Artikel auf die Marken MSR und Tubbs, da dies die einzigen Marken waren, die den Teilnehmern der Touren nicht regelmäßig vom Fuß fielen (passiert bei MSR trotzdem), brauchbaren Grip haben und auch sonst nicht durch Absurditäten auffielen.

Schneeschuhe gibt es in unterschiedlichsten Bauformen und für unterschiedlichstes Gelände.
Auch mir fällt schwer, zu erkennen, welcher Schneeschuh für welchen Einsatzzweck taugt, vor allem bei den Herstellern mit vielen Modellen fällt die Abgrenzung der Einsatzgebiete schwer, weswegen ich mich in diesem Artikel auf wenige Modelle konzentriere.

Meine Empfehlung - und wie ich dazu kam - lest ihr in den nächsten Zeilen.

Worauf kommt es bei einem Schneeschuh an?

Meiner Meinung nach solltest Du auf folgende Aspekte achten:

  1. Grip und Auftrieb
  2. Bindung
  3. Gewicht
  4. Haltbarkeit und Reparaturen
  5. Platzbedarf

Grip und Auftrieb

Auftrieb

Den Auftrieb bestimmt ganz klar die Fläche, die auf dem Schnee aufliegt. Für mache Schneeschuhe, beispielsweise von MSR, gibt es Verlängerungen, Modelle von Tubbs gibt es verschiedenen Größen. Bei Tragfähigkeitsangaben liest man im Internet, man müsse vorsichtig sein, angeblich sind diese bei MSR auf amerikanischen Schnee ausgelegt, der angeblich anders tragfähig sein soll. Hm, *kopfkratz*...

Meiner Meinung nach ist das alles Quatsch, wenn der Schnee kaum tragfähig ist, sinkst Du mit jedem Schneeschuh ein, ist der Schnee fest, dann nicht. Dazwischen kann etwas mehr oder weniger Auflagefläche den Unterschied zwischen Einsinken und oben bleiben machen.

Deswegen ist in meinen Augen das Thema Auftrieb bei den von mir betrachten Schneeschuhen und ihrem oben erwähnten Einsatzzweck in den Münchner Hausbergen zu vernachlässigen.

Im Sinne der Haltbarkeit sollten die Tragfähigkeitsangaben natürlich dem Körpergewicht entsprechen bzw. diese übertreffen.

Grip

Deutlich wichtiger ist in meinen Augen der Grip, denn fester oder vereister Schnee kommen häufig vor, auch an Steigungen ist der Grip wichtig. Wer in den Münchner Hausbergen unterwegs ist, wird eher selten auf nur flachen Wanderwegen unterwegs sein, weswegen ich hier nur Schneeschuhe mit ausgeprägten Zacken an der Unterseite betrachte.

Wenn ihr also nicht nur auf Wiesen oder Wanderwegen ohne Steigung gehen wollt, dann lasst bitte die Finger von Konstruktionen aus umlaufenden runden Stahlrohren ohne aggressive Zähne  am Rahmen. Solche Modelle bekommt ihr oft beim Discounter, aber auch z.B. der Tubbs Panoramic oder Tubbs Wilderness haben für meinen Geschmack zu wenig Zacken an der Unterseite.

Das folgende Bild zeigt die Unterseiten von 2 Schneeschuh-Modellen mit gutem Grip:

Die Unterseiten von MSR Lightning (vorn) Tubbs Flex RDG (hinten) von unten © Andre Hotzler 2018
Die Unterseiten von MSR Lightning (vorn) Tubbs Flex RDG (hinten) von unten © Andre Hotzler 2018

Ich meine, dass der MSR Lightning beim Grip der beste mir bekannte Schneeschuh ist. Er bietet in alle Richtungen genügend Halt, man rutscht am Berg kaum rückwärts. Etwas schlechter schneiden meiner Meinung nach die verschiedenen "Flex"-Modelle von Tubbs ab, ihre Querstreben, die das Zurückrutschen verhindern, könnten noch vergrößert werden.

Tubbs positioniert die Modelle FLEX VRT und ALP über dem RDG, das merkt man am Preis und leider ist die Unterseite des RDG etwas weniger aggressiv gestaltet, auch an den Querstreben.

Bindung

Dass es bei den Bindungen große Unterschiede geben würde, war mir anfangs gar nicht bewusst. Hierbei sind folgende Aspekte relevant:

  • Handhabung mit Handschuhen
  • Wie schnell bekomme ich den Schuh an den Fuß, wie schnell wieder ab
  • Verliere ich den Schuh unterwegs?
  • Wie gut sitzt der Schneeschuh am Winterstiefel?
  • Drückt die Bindung?

In Youtube-Videos sieht man oft, dass die Handhabung eines Schneeschuhs mit dicken Handschuhen getestet wird. Dieser Aspekt sorgt bei mir für Stirnrunzeln, fürs Anziehen der Schneeschuhe kann in meinen Augen in unseren Breitengraden und Temperaturen schon mal kurz die Handschuhe ausziehen.

Die Bindungen von MSR Lightning Ascent (vorn) und Tubbs Flex RDG (hinten) © Andre Hotzler 2018

Mir begegneten bisher in der Regel folgende Bindungstypen:

  • Riemenbindungen

    Diese werden bei MSR Ascent oder Trail genannt. Als Argument wird oft der individuell einstellbare Druck genannt, und dass der Schuh beim Verlust eines Riemens in der Wildniss noch tragbar ist.

    Ich empfand die Riemenbindungen von MSR als Zumutung. Es dauert ewig, die Bindung zu schließen und da das "Fußbett" zu breit ist, eiert der Stiefel auf dem Schneeschuh herum, außer man zieht die Riemen brutal fest.

    Mich nervte das so sehr, dass ich den MSR Lightning mit Ascent-Bindung verkaufte.

    Bei Tubbs sind diese Bindungen anders aufgebaut. Im Gegensatz zu MSR bieten sie einen ausgeprägteren Käfig, der nur durch Riemen gespannt wird. Das Festziehen geht hier deutlich schneller. Ein Beispiel ist das Modell Flex ALP.

  • Ratschenbindungen

    Diese Bindungen heißen bei MSR Explore und sind prinzipiell keine schlechte Idee. Doch bei MSR drücken diese, da der Druck nur auf wenige Stellen verteilt wird. Abhilfe schafft hier nur ein Berg/Winterstiefel, der im vorderen Bereich sehr stabil ist. Rezensionen im Internet berichten zuhauf vom schlechten Tragekomfort und von Vereisen. Die Vereisungsgefahr sehe ich aber bei den Riemen des Flex ALP auch.

  • BOA

    Die bei Bergstiefeln und Trail-Running-Schuhen bekannte BOA-Bindung gibt es auch bei Schneeschuhen von Tubbs.
    Hierbei läuft ein dünnes Stahlseil durch die gesamte Bindung und wird mit einer zentralen Spannvorrichtung gespannt.
    Praktisch dreht man an einem Plastikrad, zum Entspannen zieht man das Rad einfach nach oben.

    Diese Bindung begeistert mich hier. Das Anziehen geht super schnell, ebenso das Ausziehen. Wichtig ist hier, dass der Hersteller den Käfig für den Fuß sinnvoll konstruiert, denn BOA ermöglicht es nicht, den Druck an bestimmten Stellen der Bindung individuell ein zu stellen (was auch bei Schuhen ein Problem sein kann).

    Tubbs bietet hier das Modell Flex RDG mit durchgehender BOA-Bindung und das Modell VRT, welches nur den vorderen Fuß per BOA bindet, hinten kommt eine Ratsche zum Einsatz. Interessanterweise ist das Modell VRT höherpreisig positioniert, obwohl in meinen Augen die Ratsche ein Nachteil ist. Wenn schon Boa, dann bitte überall!

Für mich ist die Bindung des Flex RDG von Tubbs die beste Bindung, da durchgehend Boa zum Einsatz kommt und der Fuß fest und ohne Druckstellen im Käfig arretiert wird.

Bei den Käfigen der Flex-Modelle von Tubbs gefällt mir auch, dass der Schneeschuh so gestellt wird, dass sich die Schneeschuhe hinten beim Laufen nicht überlappen, sie gehen also hinten leicht nach außen. Gerade Menschen, deren Fußspitzen vorn weit auseinander gehen, haben das Problem, dass sich die Schneeschuhe hinten kreuzen und sie sich sozusagen mit dem einen Schneeschuh auf den anderen treten, diesem Problem wirkt Tubbs hier entgegen.

Gewicht

In meinen Augen ist das Gewicht aufgrund der kurzen Tragezeit bei meinen Touren egal. Die ausgewählten Modelle unterscheiden sich auch nicht so stark voneinander.

Tubbs bietet seine Top-Modelle (VRT, ALP) aus 2 Teilen an. Vorder- und Hinterteil bestehen aus verschiedenfarbigen Kunststoffteilen. Optisch sieht das gut aus, allerdings steigt das Gewicht, Vorteile bietet es keine. Warum Tubbs nicht einfach den gesamten Schneeschuh in verschiedenen Farben anbietet (bei einigen Modellen ist das ja schon so), ist mir unklar. Das einfarbige Modell Flex RDG ist etwas leichter.

Haltbarkeit / Reparaturmöglichkeit unterwegs

Diesen Parameter können wir bei Tagestouren im Münchner Umland ignorieren. Geht irgendwas kaputt, drehen wir einfach um.
Bei einer Mehrtages-Tour im Gebirge ist das etwas Anderes.

Mein MSR Lightning hatte nach einigen Touren deutlich mehr Abnutzungsspuren, als ein Tubbs Flex RDG bei ähnlichem Gebrauch. Unter anderem war beim MSR die Kralle verbogen und der rote Lack platzte ab.

Platzbedarf

In meinen Augen ist dieser Punkt hier nicht relevant - allerdings lassen sich die Ascent-Bindungen von MSR sehr platzsparend zusammendrücken. Das geht bei den Käfigen der Flex-Modelle von Tubbs deutlich schlechter, was bei Touren, bei denen man die Schneeschuhe oft am Rucksack befestigen muss, ein Nachteil ist.

Mein Fazit

Bei mir und im Freundeskreis wurde der Tubbs Flex RDG angeschafft und auf jeder Tour beneiden uns andere Teilnehmer wegen der superschnellen Bindung.

Der etwas schlechtere Grip gegenüber dem MSR Lightning ist bergauf spürbar, aber nicht weltbewegend.
Bergab hat man aufgrund der großen Kralle vorn sehr guten Halt.

Ich gehe das Männer-Modell (ohne XL, da bei diesen Modell ja nicht verfügbar) mit ca 115 kg Gesamtgewicht (samt Kleidung, Rucksack, Wasser usw.) und bin damit sehr zufrieden.

Auf der Steighilfe fühlt sich der Tubbs Flex RDG etwas wackeliger an, als der MSR Lightning, aber deutlich besser, als die preiswerten MSR Evo.

Tubbs Flex RDG © Andre Hotzler 2018